Hinterstoisser-Kurz

Hinterstoisser-Kurz

Auch bei der Hinterstoisser-Kurz, welche ebenfalls als „direkte Südkante“ bezeichnet wird, handelt es sich um einen Pause-Klassiker, welcher besten Kalkfels bietet.
Ebenso lockt diese Tour mit sehr einprägsamen Kletterstellen, wie die Querung aus der Einstiegsverschneidung, die überhängenden Risse der Schlüsselseillänge, die Standplätze in den drei Höhlen, die grandiose 60m Verschneidung, der plattige Riss und die letzten Längen mit gewaltigen Tiefblicken. Zwar stecken heute an den Standplätze geklebte Standhaken, doch bei den Zwischensicherungen ist man nur auf das alte Eisen sowie Cams und Keile angewiesen. Am Ende der großen Schwierigkeiten fällt der Verzicht auf den Gipfel, in Anbetracht der nahen Abseilpiste, nur allzu leicht. Diese Abseilpiste wurde in den 60er Jahren als eine der ersten mit den vom DAV-Sicherheitskreis entwickelten gebohrten Abseilhaken ausgerüstet. Die großzügig dimensionierten Haken stellen heute fast schon Museumsstücke dar.

Erstbegangen wurden die Route durch die beiden Alpinisten Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser, welche beim Erstbegehungsversuch der Eiger Nordwand auf tragische Weise ihr Leben ließen.
Aus diesem Grund stellte die Hinterstoisser-Kurz für mich und meinen Partner einen besonderen Reiz dar, und so machten wir uns kurz darauf auf die Spuren der beiden berühmten Erstbegeher.

Summa sumarum eine sehr empfehlenswerte Route, die ich einem jeden Alpinisten nur ans Herz legen kann.
Tipp: für den Zustieg zur Hinterstoisser-Kurz empfiehlt sich ein Fahrrad, um die anfängliche Strecke auf der waagrechten Forststraße schneller zurückzulegen (wir hatten damals das Glück, auf der Ladefläche eines Traktors mitfahren zu können :D)

 

Facts Hinterstoisser-Kurz:

  • UIAA: 6 A1 oder 7-, A0 oder 8-
  • Wandhöhe: 350m
  • Exposition: Süd
  • Anfahrt: Über das Wachtl oder den Hallthurm in die Ramsau und der Hauptstraße folgend bis zum gebührenpflichtigen Parkplatz beim Nationalparkzentrum südlich des Hintersees.
  • Ausgangspunkt: Parkplatz beim Nationalparkzentrum Hintersee (793 m)
  • Zustieg: VVon Hintersee (836m, Parkplatz am Nationalpark-Ino-Zentrum) auf dem beschilderten Wanderweg Richtung Hirschbichl zur Engert-Holzstube (5 km, mit fahrrad auf Fahrstraße möglich, falls der Gipfel nicht bestiegn werden soll). Kurz dahinter rechts ab auf den Schaflsteig Richtung Mayrbergscharte. Durch lichten Bergwald aufwärts, bis die Südwände der Mühlsturzhörner sichtbar sind. Wo der Wanderweg der Wand am nähsten kommt, zu markanter Verschneidung queren (Gedenktafel). Rucksackdepot in den Latschen links des Weges (2,5 bis 3 Stunden ab Parkplatz, einstieg auf ca. 1850 Meter)
  • Abstieg: Von der Gratschulter nach Westen queren und ein paar Meter hinab zu Abseilhaken, von hier 15 m abseilen in einen Schuttkessel. Den folgenden Schuttkessel abklettern, der nächste Abseilhaken befindet sich orographisch an der linken Begrenzung vor Abbruch, hier 35 Meter abseilen. Nun auf Steigspuren orographisch nach rechts (Gedenkkreuz und Wandbuch). einige Meter in die Südkamine abklettern (2, leicht brüchig) zu Abseilhaken und nun dreimal abseilen bis zum Wandfuß (1 Stunde, im Dunkeln Orientierung kaum möglich).
  • Material: Doppelseil, Friends bis Gr. 4, mittlere Größen doppelt
  • Erstbegehung durch Alois Hinterstoißer, Toni Kurz, 1936
  • Erstbegehung durch Alois Hinterstoißer, Toni Kurz, 1936
  • Felsqualität: exzellent
  • Zeitbedarf: 4-6 Stunden
  • Abischerung: gebohrte Standplätze, dazwischen viele Normalhaken
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