Icterus

Icterus

Die Icterus bietet wohl alles, was eine perfekte, alpine Sportkletterroute auszeichnet: steile, ausgesetzte Wandkletterei. Anhaltende Schwierigkeiten. Eine gute Absicherung und hervorragende Felsqualität.
Durch diese Charakteristika hat sich diese Route für mich zur schönsten und zudem anspruchsvollsten in der Südwand des ersten Sellaturms entpuppt.
Diese wurde 1983 von Eisendle/König erstbegangen, mit 7+/A1 angegeben und als eines der Testpieces in den Alpen angepriesen.
Die zwei Schlüssellängen sind anhaltend schwer, aber sehr gut gesichert. In den leichteren Passagen können die Haken auch mal 3-4m auseinander liegen, was in diesem griffigen Gestein aber nicht stört.

Nachdem mein Seilpartner und ich bereits gegen Mittag aus der Route „Delenda Carthago“ ausgestiegen waren, entschieden wir uns kurzerhand, auch die Route Icterus zu klettern.
1. SL: Die Route fängt erst auf einer Art Vorbau an. Wohl könnte man vom Boden aus wohl gerade so knapp (50m++) zum Stand von L1 gelangen, doch schon nur aus Seilzuggründen empfiehlt es sich, beim BH-Stand auf dem Vorbau zu sichern (15 Meter).

2. SL:  Nun geht’s auch schon richtig los: die erste Schlüssellänge (8) bescherte mir bereits einen dezenten Pump in den Unterarmen: zuerst steile Plattenkletterei, gefolgt von einem kleinen Überhang, welcher anschließend wiederum in eine Platte übergeht. Sauberes Steigen und ein ausgeprägtes „Routenlesevermögen“ sind hier definitiv gefragt!! Anmerkung: in den meisten Führern wird diese SL mit 8- bewertet, jedoch wurde diese aufgrund mehrerer Griff-Ausbrüche im Jahr 2012 aufgewertet (35 Meter)

3.SL:  Achtung, links halten und nicht geradeaus den BH der Route „The Bernards“ folgen! Man startet in die nette, cleane Verschneidung (Cam 0.3 oder 0.4), verlässt diese nach links um dann eine gut mit BH gesicherte, aber obligatorische Einzelstelle zu meistern. Danach hinauf zu NH und BH, und dann horizontal nach rechts, dem cleanen Hangelriss entlang (Cam 1 und 0.5, 25 Meter).

4.SL: Auch die zweite Schlüssellänge durfte ich im Vorstieg meistern (meiner Meinung nach leichter zu Onsighten als die erste Crux):
zuerst geht’s gerade empor, woraufhin man nach links quert (Achtung, rechts ziehte wiederum die Route „The Bernards“ vorbei). Der Quergang ist ausreichend gesichert, verlangt jedoch ebenso ordentliches Zupacken und sauberes Ansteigen. Anschließend geht’s wiederum über eine steile, fein strukturierte Platte nach oben zum Standplatz. Mittlerweile brennen die Fingerkuppen ordentlich 😀

5.SL: Plaisir-Seillänge mit gemässigten Schwierigkeiten, aber trotzdem schöner, steiler und griffiger Kletterei (6-, 30 Meter).

6.SL:  anch links zum Pfeiler und gerade hoch. Schöne SL, welche sich vor allem durch jede Menge Löcher und Henkel auszeichnet (20 Meter)

7.SL: Die finale Seillänge bietet nochmals herrliche sowie anhaltend steile Kletterei im oberen 7. Grad: Leisten, Löcher und Aufleger charakterisieren vor allen diese letzte Länge.

 

FAZIT: absolute Top-Route und empfehlenswert für Liebhaber alpiner sowie anspruchsvoller  Sportkletterrouten!!!

Facts Icterus:

  • UIAA: 8 (7+ obl.)
  • Kletterlänge: 175 Meter
  • Exposition: Süd
  • Erstbegeher: Eisendle/König 1983
  • Material: 12 Expressen, Cams 0,5-1, Halbseile
  • Absicherung:
  • Zustieg: Direkt am Sellapass beim Restaurant geht ein Weg vom Parplatz über die Wiesen Richtung Erster Sellaturm. Der Einstieg ist unter einer prallen gelben Wand im linken Bereich der Südwand. (links neben der vielbegangenen Schober Führe).
  • Abstieg: abseilen über die Route oder ber Normalweg zurück zum Parkplatz
  • Ausgangspunkt: Sellapass (Parkplatz Hotel)

 

zweite SL: erste Schlüssellänge (8-)

dritte SL: über Rampe in steile Platte (7)

 

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