Jordanien

Jordanien

Unter klassischen „Winterfluchten“ verstehen Kletterer meist Destinationen wie Spanien, Griechenland oder Türkei. Nachdem ich persönlich schon einige dieser Gebiete kennenlernen durfte, richtete sich mein Verlangen dieses Jahr nach etwas mehr Abwechslung. Kurzerhand entschlossen Stefan und ich uns für einen Klettertrip nach Jordanien. Schon mehrmals wurde mir von jenem Trad-Klettergebiet vorgeschwärmt:

Klettern in einer atemberaubenden Wüstenlandschaft. Keine Bolts. Wandhöhen bis zu 700 Metern. Perfekte Kletterei, Risse, Verschneidungen…

Tatsachen, die meine Motivation für dieses Land definitiv bestärkten.

Sandstein und Granit

Doch bevor ich meine Schwärmerei für Jordanien fortsetze, hier einige logistische und organisatorische Facts:

Das Klettergebiet befindet sich im Umkreis von Wadi Rum. Das Wadi ist das größte Wadi in Jordanien. Seine Felswände bestehen aus Sandstein und Granit. Als Schutzgebiet mit einer Fläche von 740 km² wurde es 2011 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Direkt in Wadi Rum sowie in dessen Umkreis existieren zahlreiche Beduinen- Camps, welche einen preisgünstigen sowie komfortablen Aufenthalt für Touristen bieten. Wir entschieden uns für das Quiet Village, welches etwa 15 Fahrminuten von Wadi Rum entfernt liegt, und ein extrem sauberes und touristenfreundliches Image pflegt.  Im Vorhinein stellte ich bereits Kontakt mit dem Betreiber dieses Camps, namentlich Salim, her, um alles weitere wie etwa Flughafen-Transfer zu organisieren. Entgegen meiner Erwartungen stellten sich sämtliche Organisationen unkomplizierter als gedacht dar: Salim übermittelte mir die Telefonnummer eines „Taxi-Lenkers“, welcher uns direkt nach unserer Ankunft vom Flughafen in Amman abholen, und mit uns ins Camp fahren würde (4-5 Std. Fahrtzeit).

Von Wien ging‘s somit mit der Fluglinie Royal Jordanian nach Amman. Unser Taxilenker Ali wartete bereits in der Ankunftshalle auf uns, woraufhin wir direkt die Fahrt ins Wadi Rum antreten konnten. Nach einer 4-stündigen Autofahrt erreichten wir das Wadi Rum Village (Kosten: 120 JD). Im Village wurden wir bereits von zwei Beduinen unseres Camps erwartet, welche uns per Jeep weiter ins Camp fuhren (15 Minuten).

Nach einer solch reibungslosen Anfahrt bezogen wir glücklich unser eigenes, kleines Beduinen Zelt (Schlafzimmer mit Doppelbett und eigenem Badezimmer) und blickten einer ereignisreichen Zeit im Wadi Rum entgegen.

Gastfreundschaft

Am folgenden Tag bekamen wir bereits die volle Gastfreundschaft der Beduinen im Camp zu spüren: aufgeschlossen, offenherzig uns extrem bemüht traten uns sämtliche Camp-Bewohner gegenüber und gaben uns definitiv das Gefühl, willkommen zu sein. Täglich wurden wir morgens und abends mit einem ausgiebigen Buffet versorgt. Das Angebot reichte von Fladenbrot über Hummus bis hin zu Hühnchen, Reis und frischem Gemüse. Die Abende ließen wir täglich am Lagerfeuer ausklingen, wo Ahmet uns mit seiner Gitarrenkunst jeweils wunderschöne Abende unter dem Sternenhimmel bescherte. Beide Daumen hoch!!

Ein weiterer Vorteil bestand in der sehr guten Orts- bzw. Bergkenntnis der Beduinen: sie wussten um die meisten klassischen Kletterrouten rund um Wadi Rum Bescheid, wodurch uns einige Verhauer in diversen Canyons vermutlich erspart geblieben sind 😉

Traumtouren

Im Laufe der folgenden 8 Tage folgte eine Traumtour der nächsten: unter meine persönlichen Top 3 fallen: „Merlin´s Wall“ im Barrah Canyon, „The Beauty“ am Jebel Ejil sowie „Black Magic“ am Dark Tower. Sämtliche Routen waren zum Abseilen eingerichtet (was aufgrund der verkürzten Tageszeit von Vorteil war: Sonnenuntergang um ca 17:00 Uhr). Die Standplätze waren großteils mittels Schlingen „angedeutet“, jedoch verbesserungswürdig. Zwischensicherungen sucht man vergebens, jedoch ließen sich die Routen bis auf einige wenige Ausnahmen perfekt absichern.

Den Kletterführer bestellten wir uns im Vorhinein online („Treks & Climbs in Wadi Rum Jordan“  von Howard Tony).

Im Internet findet man vereinzelte Topos sowie Tourenbeschreibungen. Des Weiteren bestellten wir vorab den Jordan-Pass, welcher Eintritte, Attraktionen sowie das Visum von 40,00 € inkludiert). Summa Summarum die günstigere Variante.

Fazit:

Ein Klettertrip nach Jordanien lohnt sich definitiv  für alle Trad-Liebhaber unter uns. Für mich persönlich ein absolutes Eldorado, welches ein vollkommenes Wüstenabenteuer mit purem Klettergenuss bietet. Landschaftlich, kulturell und gesellschaftlich sehr empfehlenswert.

Ich persönlich  habe mich keine Sekunde unwohl gefühlt. Ganz im Gegenteil: Die Einheimischen von Wadi Rum leben großteils vom Tourismus und sind aufgrund dieser Tatsache natürlich sehr bemüht, dieses Image aufrecht zu erhalten und deren Besucher einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu bieten. Nach zehn Tagen fiel der Abschied demnach bereits richtig schwer. Jedoch flogen Stefan und ich mit dem Gedanken bzw. Lichtblick nachhause, sobald als möglich wieder ins Wadi Rum zurück zu kehren und diese geniale Zeit erneut zu erleben.

Hard-Facts und Tipps:

  • Ankuft: Flughafen Amman
  • Weiterfahrt: Eine direkte Fahrt von Amman ins Wadi Rum ist nur per Taxi oder Mietwagen möglich.
  • Distanz Amman – Wadi Rum: 300 km, 4 Stunden
  • Unterkunft: Quiet Village Camp;  weitere Camps auf booking.com
  • Kletterführer: („Treks & Climbs in Wadi Rum Jordan“  von Howard Tony
    Infos zu den Touren: Im Resthouse liegen Routenbücher auf, dort gibt’s dann aktuelle Infos zu den jeweiligen Touren.
  • Gestein: Granit und Sandstein
  • Kletterstil: Trad
  • Jordan Pass: Der Jordan Pass ist eine Art Ticket, das euch bei eurer Reise nach Jordanien freien Eintritt zu 40 verschiedenen Sehenswürdigkeiten sowie Attraktionen bietet. Zudem genießt ihr mit dessen Kauf weitere Vorteile, beispielsweise hinsichtlich der Visagebühren.
    Inkludiert zudem Eintritte nach Petra und Wadi Rum
  • Material:
    2 Paar Halb-/Zwillingsseile, da diese aufgrund der scharfen Felsqualität ziemlich rasch in Mitleidenschaft gezogen werden
    30-40 Meter Reepschnur; Rapids; 2 Sätze Cams bis Gr. 6; Klemmkeile; ausreichend Bandschlingen; Tape…
  • Beste Reisezeit: Dezember bis März
  • Lebensmittel (inkl. frischem Gemüse) kann man auch in Rum Village einkaufen. Mehr Auswahl hat man aber in Amman!
  • Bevor man eine lange Route am E-Face des Jebel Rums machen will, sollte man zuerst den Abstieg (Hammad’s-Route) checken- die Abstiege können schon mal länger dauern als die gesamte Kletterroute 😉
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