Klettern in den Westalpen

Klettern in den Westalpen

Klettern in den Westalpen:

Wenn ich unseren 3- wöchigen Klettertrip im September 2017 Revue passieren lassen, ist es schier unmöglich, den schönsten Tag, die beste Tour oder den moralischsten Moment festzulegen.
Aufgrund dessen beginnen ich  nun, unseren Trip chronologisch aufzubauen, um euch einen kurzen und prägnanten Eindruck zu verschaffen :

Nachdem wir unseren Camper fertig gepackt hatten, starteten Patrick und ich die Reise am 01.09.2017. Nach ausführlichem Studium sämtlicher Wetterberichte einigten wir uns schnell hinsichtlich des ersten Gebietes, nämlich dem Val di Mello. Eigentlich wäre dieses Gebiet nicht auf unserer Wunschliste gestanden, jedoch waren wir letztendlich sehr froh darüber, dass es zu diesem Zeitpunkt zumindest ein Gebiet gab, welches nicht von der Schlechtwetter-Front betroffen war.
Risse, Verschneidungen und Platten im feinsten Granit. 2 Sätze Friends und Motivation bis zum Himmel. Ereignisreichen, anspruchsvollen und  ausgefüllten Klettertagen stand somit nichts mehr im Wege.
Am ersten Tag beschlossen wir einstimmig, den Klassiker  „Luna Nascente“ als Kennenlern-Tour am SCOGLIO DELLE METAMORFOSI zu klettern. Am nächsten Tag folgte eine etwas alpinere Tour am Precipizio degli Asteroidi: „ Oceano Irrazionale“.  Eine wirklicher Klassiker in diesem Gebiet, welcher vor allem hervorragende Risskletterei in einem atemberaubenden Ambiente bietet (Zwischenhaken eher selten, Standplätze jedoch einwandfrei).
Es folgte eine weitere Route am SCOGLIO DELLE METAMORFOSI: „Via Polimago“ (360 m, 6b).
Nachdem wir am späten Nachmittag zurück am Parkplatz angekommen sind, setzten wir unsere Reise auch schon fort.

FACTS: „Val di Mello“ (Italien)

Parkplatz: Via Val di Mello 91, Valmasino (Parkplatz nähe Campingplatz)
Touren:

  • „Luna Nascente” – SCOGLIO DELLE METAMORFOSI“,6b R2, 340m
  • Oceano Irrazionale“   – Precipizio degli Asteroidi ,  6b,R4, 400 m
  • „Via Polimago“  – SCOGLIO DELLE METAMORFOSI 6b, 360 m

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Nach einstimmigen Beschluss gings weiter in die Schweiz.
Erstes Ziel: Grimseplpass.
Schon lange haben wir uns dieses Gebiet in den Kopf gesetzt. Dies begründet sich vor allem durch die etlichen  Erstbegehungen der beiden Kletterlegenden Claude und Yves Remy.
Doch bevor wir uns in den allseits bekannten Klassiker „Motörhead“ stürzten, beschlossen wir, zuerst eine Tour auf der Gelmerfluh („Saggitarius“, 6b, 450m) zu klettern.
Trotz anfänglich sehr eingeschränkter Sicht aufgrund des anhaltenden Hochnebels, lief auch diese Tour reibungslos ab und wir befanden uns bereits um 14:00 Uhr zurück am Parkplatz. Wie nach jeder Klettertour wird zu aller erst  der Gaskocher aktiviert, um dem Koffeinentzug entgegen zu wirken.

Nachdem wir nun endlich unseren ersehnten Kaffeebecher in  den Händen hielten, widmeten wir uns der zweitwichtigsten Aufgabe: der ausführlichen Tourenplanung. Schnell war das Topo der, für den Folgetag geplanten, Tour („Motörhead“) einstudiert. Nachdem wir anschließend unseren Standplatz zum Grimselhospiz verlagert hatten, wurde wie üblich gekocht (Nudeln, what else) und anschließend der Tag mit einem Glas Wein beschlossen.

Trotz  einer eher „kühlen“ Nacht marschierten wir am 08.09. voller Motivation vom Parkplatz des Grimselhospizes entlang des ebenen Wanderweges, welcher am Seeufer in Richtung „ELDORADO“
verläuft (vom Grimselhospiz auf dem rechten Uferweg zur Lauteraarhütte bis zum Ende des Stausees)
Nach etwa 1h40 min erreichten wir den Einstieg (Routenname angeschrieben). Passend zur Tour hielt sich mein Ohrwurm „“We are motörhead and we play rock n roll“ genauso hartnäckig wie die Motivation, endlich in dieses Plattenmeer aus Granit einzusteigen.
Auch diese Tour entpuppte sich zu einem wahren Klettergenuss erster Güte.

Sowohl landschaftlich als auch klettertechnisch verdient diese Linie 5 von 5 Sternen. Lob und Dank an Yves und Claude Remy für die Eröffnung dieses Schmankerls!
Nachdem wir den Parkplatz gegen 19:00 Uhr wieder erreicht, und wie üblich den Wetterbericht  ausführlich gecheckt hatten, beschlossen wir aufgrund einer einbrechenden Kalt- bzw. Schneefront, die Schweiz hinter uns zu lassen und unseren Standort weiter in die Dauphiné zu verlagern.

Facts:  „Grimselpass“ (Schweiz)
Parkplatz: Tag 1à P Chueenzentenneln auf 1596m (Gelmerfluh)
Tag 2 à Grimselhospiz (Grimselpass, 3864 Guttannen)

Touren:
  • „Sagittarius“ – Gelmerfluh, 6b+, 450 m
  • „Motörhead“ – Eldorado, 6b, 500m

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Wir nützten den folgenden Reisetag als ersten Rasttag (was unseren Fingerkuppen mit Sicherheit sehr gut tat) und erreichten am Abend des  09.09. den Parkplatz in „La Bérarde“, wo wir unsere Camper problemlos auf einem, der dafür vorgesehenen, gebührenfreien Parkplatz abstellen konnten.
Am Folgetag stand die erste Tour „Abbé hard“ am „Tête de la Maye » am Plan. Im Vergleich zu den bisherigen Touren war diese quasi überbohrt. Sämtliche Standplätze und Zwischensicherungen waren mit Bolts ausgestattet. Friends definitiv überflüssig !
Nachdem wir uns bereits gegen 14 :30 Uhr wieder am Einstieg befanden, beschlossen wir kurzfristig, in die daneben liegende « Percher mignon » einszusteigen.
Am darauffolgenden Tag kletterten wir erneut auf  der Tête de la Maye, da die umliegenden Gebirgstöcke aufgrund der Exposition großteils schneebedeckt waren.

Nadem wir nach vollendeter Tour (« Li Maye Dülfer ») am Parkplatz ankamen, war klar, dass ein Standortwechsel nötig war. So machten wir uns auf den Weg in Richtung « Les Vigneaux » , wo uns eine erneute Traumwand erwartete. Die letzten 2 Kilometer vor dem Parkplatz am Ausgangstpunkt stellten wahrlich die Crux des Tages dar (merke : mit einem 4 Tonnen schweren Camper sollten diverse Forst- bzw.- Schotterstraßen in Frankreich gemieden werden).
Am folgenden Morgen konnten wir vom Parkplatz aus (trotz hartnäckigem Nebel)  die Gestalt dieses beeidruckenden Kalk-Riesen erkennen. Geplant war der Klassiker «Ranxerox » auf der Tete d´Aval. Um 08 :00 Uhr erreichten wir nach einem Zustieg von ca. 90 Minuten den Einstieg, welcher mit « RX » markiert ist.
Nach einem grauenhaften Kaltstart in der ersten Seillänge konnten wir die Handschuhe getrost am Gurt verstauen und die Kletterei in den übrigen 18 Seillängen gänzlich genießen.
Nachdem wir  gegen 18 :30 den Ausstieg erreicht hatten, schmissen wir uns in die daneben liegende Abseilpiste und erreichten nach ca. 60 Minuten wiederum  den Einstieg.
Auch diese Tour verdient 5 von 5 Sternen. (Getapte) Daumen hoch !!

Am Folgetag gings weiter zur Sagnette, einer markanten Granitnadel, von welcher aus man einen atemberaubenden Blick auf das Ecrins- Massiv genießen kann. Welche Zutaten braucht man eigentlich für eine Plaisirtour? Man nehme jede Menge festen und griffigen Fels, dazu außergewöhnliche Felsstrukturen, sonniges Ambiente mit grandioser Rundumsicht und natürlich eine gute Absicherung! Fehlen nur noch homogene Schwierigkeiten mit einer genialen Schlüsselstelle, und fertig ist der Plaisirkuchen. Bei (ausnahmsweisen) angenehmen 15 Grad stiegen wir nach einem 50-minütigen Zustieg in die « Soleil Glacial » ein.

Somit konnten wir den letzten, wettermäßig schönen Tag, perfekt nutzen und blickten bereits gespannt auf unser nächstes Ziel, der Verdonschlucht.
Facts : Tete de la Maye und Tete d´Aval (DEauphiné / Frankriech)

 

Parkplatz :  « Tete de la Maye »à LA BERARDE, 38520 Saint-Christophe-en-Oisans
„Tete d´Aval“ à Anfahrt über Les Vigneaux (Im Ortszentrum nach rechts abzweigen und
über 2,5 km lange Schotterpiste zu PP bei Block)

„Sagnette“à Parkplatz „pre de Madame carle“ (Parkticket für 4€)

Touren:
  • „Abbé Hard“ – Abbé Hard, 6b, 370 m
  • “Percher Mignon” – Tête de la Maye, 7a, 300 m
  • “Li Maye Dülfer” – Tête de la Maye, 6b+, 350 m
  • “Ranxerox” – Tete d´Aval, 7a, 500m
  • “Soleil glacial” – Sagnette, 6b, 350 m

 

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Zweite SL: vorerst Quergang nach links und anschließendes Dach. Super Kletterei mit logischer Griff- und Trittfolge

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Schlüssellänge

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109Ranxerox – Tete d´Aval : vorletzte SL über wunderschöne, wasserzerfressene Platten

 

Aufgrund der Schlechtwetter-Lage im gesamten Westalpenraum beschlossen wir, die restlichen Tage in der Verdonschlucht zu verbringen. Da dieses Gebiet für uns beide neu war, und wir bis dato lediglich eine Unmenge an sagenumwobenen Mythen über die Schlucht gehört hatten, verspürten wir einen umso stärkeren Reiz, dieses Klettergebiet zu erkunden.
Dabei beginnen fast alle Klettertouren hier völlig anders, als versierte Kletterfreunde das gewohnt sind. Normalerweise beginnt jede Klettertour mit einem Aufstieg, und nach dem Bezwingen des Gipfels erfolgt dann der unvermeidliche Abstieg. Genau umgekehrt verhält es sich im Canyon du Verdon. Hier beginnt die Tour mit dem Abseilen, hier gilt es, die richtige Stelle zu finden. Mit einem ortskundigen Führer ist das jedoch kein Problem.

Das gewöhnungsbedürftige Abseilen zu Anfang einer jeden Klettertour in der Schlucht dürfte auch der Grund dafür sein, dass erst relativ spät – genauer gesagt im Jahr 1968 – mit dem Klettern in der Schlucht begonnen wurde. Ab diesem Zeitpunkt allerdings nahm die Beliebtheit des Canyon bei Freizeit- und Profikletterern rasant zu, heute zählt er zu den beliebtesten Revieren in ganz Europa.
Da wir längere Touren definitiv bevorzugen, starteten wir im Sektor
„La Demande“, in welchem man mitunter die längsten Routen der Verdonschlucht findet.
Kurzerhand entschieden wir uns als erstes für „Ula“, einem 300 Meter langen Risssystem, ab dessen 4 Stand keine Zwischenhaken mehr vorhanden sind (Standplätze sind eingerichtet, Friends Gr. 075 – 4 erforderlich).
Am Folgetag kletterten wir erneut im Sektor „La Demande“. Die Route „Pillier des Ecureuils“ stellte sich ebenfalls als absolute Traumtour heraus (nur selten abgespeckt).

Es folgten Touren im Sektor „Fenrir“, bei welchen es sich jeweils um relativ „neue“ Routen handelt, und deren Felsqualität aufgrund dessen hervorragend war.
Die letzten beiden Tage verbrachten wir in der linken Schluchtseite (Rive gauche). Hier wiederum ist ein Zustieg von unten erforderlich. Ein klarer Vorteil bei unbeständigem Wetter (wie auch bei uns an diesem Tag). Nachdem wir uns für die Route „Astérix et Périls“ entschieden hatten, erreichten wir nach etwa 45 Minuten den Einstieg, woraufhin es kurz darauf zu nieseln begann. Nach dem Motto „Wird scho aufhean“ stiegen wir trotz dunkler Regenwolken ein. Mit dem Wissen, dass die Wand bis zum 5.Stand aufgrund des Daches in der Wandmitte trotz Regen trocken bleibt, kletterten wir entspannt entlang dieser wunderschönen Plaisirroute. Die erste Crux wurde zwar trotz nassen Plattenpassagen erschwert, jedoch tat dies der Genusskletterei nichts zur Sache und letztendlich konnte sich die Sonne im letzten Wanddrittel doch  noch durchsetzen.
Die finale Tour kletterten wir wiederum im Sektor „Rive gauche“. Auch dieses Mal ein wahrer Klettergenuss, welcher den krönenden Abschluss unseres Klettertrips bildete. Mit gemischten Gefühlen saßen wir nun am Ausstieg und ließen die letzten 21 Tage Revue passieren:
Zuviel Emotionen, Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungswerte schießen uns durch den Kopf, als dass man diese in so kurzer Zeit sortieren und verarbeiten könnte. Zu schnell ist diese ereignisreiche Zeit vergangen. So sitzen wir nun hier, mit Blick in den Canyon und sträuben uns gegen den Gedanken, schon bald wieder in den gewohnten Alltag zurückkehren zu müssen.
Doch genau diese Wehmut zeugt davon, dass die Zeit bestmöglich genutzt sowie gestaltet wurde, und lässt die Vorfreude auf den nächsten Klettertrip noch größer werden.
In diesem Sinne: Berg Heil und hoffentlich viel Spaß beim Nachklettern J

Facts: Verdonschlucht (Frankreich)

Parkplatz:
Sektor „La Demande“à Parkplatz „Belvedere“ von dort in 5 Minuten zur Abseilpiste
„Dalles Grises“

Sektor „Fenrir“à selber Parkplatz – Abseilpiste angeschrieben

Rive gaucheà Abfahrt Richtung La Palud – Moustiers – beim Kreisverkehr 2.Ausfahrt (sortie des Gorges) und bei „Pont du Galetas“ nach Brücke parken.

Touren:

  • „Ula“ – Sektor „La Demande“, 6b, 300 m
  • „Pillier des Ecureuils“ – Sektor „La Demande“,6b+, 300m
  • „Encourtoujourjamé“ – Sktor „Fenrir“, 6b+, 180m
  • „Astérix et Périls“ – Rive gauche, 7a, 220m
  • “Une Pincée de Ketchup” – Rive gauche, 6c, 280m

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